Stephen Lee steht unter Manipulationsverdacht. Schon wieder. Im Frühjahr 2010 wurde der damals 35-jährige Brite von der Polizei in Gewahrsam genommen, weil während des UK Championship im Dezember 2010 ungewöhnlich hohe Summen auf Lees Zweitrundenniederlage gesetzt worden waren. Erst vor wenigen Tagen wurde offiziell bekanntgegeben, dass nicht weiter ermittelt werde, Lee also von allen Vorwürfen freigesprochen wurde.
WPBSA has come to wish Stephen Lee an unhappy birthday
Nun beginnt alles von vorn: Stephen Lee, der heute seinen 37. Geburtstag feiert, wird vorgeworfen, ein Match absichtlich verloren zu haben, da es erneut hohe Einsätze auf einen entsprechenden Spielverlauf gegeben habe. In einem Statement verlautbarte der WPBSA heute, dass Stephen Lee bis auf Weiteres vom professionellen Snooker ausgeschlossen werde.
Im zweiten Match des gestrigen Snooker Premier League-Abends hatte Lee gegen John Higgins jeweils mit 1-0 und 2-1 geführt, unterlag schließlich dennoch mit 2-4. Gegen Ende der Partie, die hier in voller Länge anzuschauen ist, mehrten sich tatsächlich einige sehr seltsame Stöße: Auf eher unorthodoxe Weise stellte er auf die letzte Pinke, verschoss sie daraufhin mit der Cue-Verlängerung recht deutlich und hätte sich dabei auch (auf) Schwarz verstellt. Nach einer schlechten Safety von Higgins lochte Lee Pink schließlich auf die Mitte, verstellte sich aber grotesk auf Schwarz. Es folgte eine ebenfalls völlig verpatzte Safety Lees, die Higgins letztlich zum Frame- und damit Matchgewinn nutzen konnte.
Die Vorwürfe der Spielmanipulation wurden bereits gestern Abend laut, als ausgerechnet Judd Trump sie auf Twitter formulierte. In zweifelhafter Orthographie erboste sich die aktuelle Nummer 2 der Welt, Lee müsse gesperrt werden:
Is this a wind up, Steve lee giving it away.
Steven lee stewards enquiry please, something not right.
absolute joke, he shud be banned.
Und Mark Williams twitterte an Trump:
nice safety on last black
Kein gutes Timing
Für Stephen Lee kommt die Affäre zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Anders als 2009 befindet er sich aktuell nicht in einem Formtief, vom damaligen Weltranglistenplatz 25 hat er sich auf Nummer 6 vorgearbeitet, im März 2012 gewann er die PTC Grand Finals und erst im September besiegte er Ding Junhui im Endspiel des 2. APTC-Turniers. Im Gegensatz zu 2009 gibt es gerade für Topspieler wie Lee und dank Barry Hearns Terrorregime Spielplanänderungen genug Möglichkeiten, Geld zu verdienen.
Sollten die Vorwürfe zutreffen, dass Stephen Lee das Premier League-Match absichtlich verloren hat, dürfte er die längste Zeit Snookerspieler gewesen sein. Ganz gleich aber, ob Lee letztendlich frei- oder schuldig gesprochen wird, erschüttert dieser Vorfall erneut die Snookerwelt: Wohl jeder Fan erinnert sich noch an sein/ihr ungläubiges Staunen während der WM 2010, als Vorjahressieger John Higgins mit versteckter Kamera in die Falle eines britischen Boulevardmediums tappte und sich scheinbar bereiterklärte, Spiele zu verschieben. Erst im Juli diesen Jahres wurde Joe Jogia wegen Spielmanipulation für zwei Saisons gesperrt.
Der Mythos vom Sport der Wettbetrüger, er wird leider immer weiter gefüttert.



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